Kriminalität füllt das politische Vakuum
Wenn Gesetze Unterschiede im Risiko und die tatsächliche Nachfrage erwachsener Konsument:innen nicht berücksichtigen, verlagert sich der Markt leicht außerhalb des kontrollierten Systems. Neue Zahlen des EU-Betrugsbekämpfungsamtes OLAF zeigen, dass der illegale Handel mit Nikotinprodukten weiter wächst – mit Folgen für den Verbraucher:innenschutz, die öffentliche Gesundheit und das Vertrauen in die Regulierung.
Auf einen Blick
- Undifferenzierte Regulierung kann den Schwarzmarkt für Nikotinprodukte fördern.
- Illegale Produkte bergen Risiken durch fehlende Sicherheits- und Qualitätsstandards.
- OLAF sieht den illegalen Handel als wachsendes strukturelles Problem.
- Risikoproportionale Regulierung kann Schwarzmarkt und Rauchen reduzieren.
Warum wächst der illegale Handel mit Nikotinprodukten in Europa?
Der illegale Handel mit Nikotinprodukten nimmt in Europa zu. Eine wichtige Ursache ist eine Regulierung, die nur unzureichend zwischen Produkten mit unterschiedlichem Risiko unterscheidet. Werden legale Alternativen stark eingeschränkt oder unverhältnismäßig teuer, entsteht Raum für einen wachsenden Schwarzmarkt – mit negativen Folgen für Verbraucher:innen, die öffentliche Gesundheit und staatliche Einnahmen.
In der vergangenen Woche führte das EU-Betrugsbekämpfungsamt OLAF gemeinsam mit Zollbehörden in 30 Ländern eine koordinierte Aktion gegen den illegalen Handel mit E-Zigaretten und erhitzten Tabakprodukten durch. Dabei wurden über 94 Millionen illegale Produkte beschlagnahmt. OLAF spricht von der ersten internationalen Zolloperation, die gezielt auf diesen Markt ausgerichtet war.
Die Ergebnisse zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein strukturelles Problem.
Der Schwarzmarkt als unbeabsichtigte Folge der Politik
Der illegale Handel mit Nikotinprodukten entsteht nicht zufällig. Er ist häufig eine direkte Folge politischer Entscheidungen, die legale und regulierte Produkte schwerer zugänglich oder für Konsument:innen weniger attraktiv machen. Bleibt die Nachfrage unter erwachsenen Nutzer:innen bestehen, während das legale Angebot eingeschränkt wird, verlagert sich der Markt in unregulierte Bereiche.
OLAF weist darauf hin, dass illegale Produkte oft keine Sicherheitsanforderungen erfüllen, verbotene Aromen oder zu hohe Nikotingehalte enthalten und über falsche Warendeklarationen geschmuggelt werden, etwa als Spielzeug oder Kosmetikprodukte. Für Verbraucher:innen bedeutet das fehlende Transparenz und keine Qualitätskontrollen.
„Wenn Regulierung nicht berücksichtigt, wie erwachsene Konsument:innen Nikotin tatsächlich nutzen, wandert die Nachfrage in unkontrollierte und unregulierte Strukturen ab“, sagt Markus Lindblad, Head of Communication bei Haypp.
Folgen für Verbraucher:innen und öffentliche Gesundheit
In der öffentlichen Diskussion stehen oft Zollbeschlagnahmungen und Steuerausfälle im Mittelpunkt. Doch die Auswirkungen reichen weiter. Illegale Produkte sind nicht rückverfolgbar, unterliegen keinen einheitlichen Qualitätsstandards und werden ohne verlässliche Alterskontrollen verkauft.
Das betrifft sowohl erwachsene Raucher:innen, die auf weniger schädliche Alternativen umsteigen möchten, als auch den Schutz von Minderjährigen. Laut OLAF stärkt der wachsende illegale Handel zudem die organisierte Kriminalität und untergräbt gesundheitspolitische Ziele.
Harm Reduction als möglicher Lösungsansatz
Erfahrungen aus mehreren Ländern zeigen, dass eine risikoproportionale Regulierung dazu beitragen kann, sowohl das Rauchen zu reduzieren als auch den illegalen Handel einzudämmen. Wird klar zwischen rauchbaren Produkten und rauchfreien Alternativen unterschieden, verbessert das den Verbraucher:innenschutz und die Einhaltung von Regeln.
Sind legale Produkte verfügbar, klar reguliert und zu angemessenen Preisen erhältlich, sinkt der Anreiz, auf den Schwarzmarkt auszuweichen. Für viele erwachsene Konsument:innen sind Produktsicherheit und Qualität entscheidend.
„Wenn das Ziel wirklich der Schutz der öffentlichen Gesundheit ist, sollte die Politik den Umstieg weg von Zigaretten und hin zu kontrollierten Alternativen ermöglichen“, so Lindblad.