Was ist Nikotin und wie wirkt es im Körper?
Nikotin ist ein natürlich vorkommender Stoff, der vor allem in der Tabakpflanze enthalten ist. Doch was ist Nikotin genau und wie wirkt Nikotin im Körper? Hier erfährst du mehr über Wirkung, Aufnahme und Nikotingehalt sowie die chemischen und historischen Hintergründe.
Auf einen Blick
- Nikotin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid und vor allem aus der Tabakpflanze bekannt.
- Im Körper bindet Nikotin an sogenannte nikotinische Acetylcholinrezeptoren.
- Die Aufnahme und Wirkung können unter anderem von der Menge und der Konsumform abhängen.
- Der Nikotingehalt eines Produkts ist nicht mit der tatsächlich vom Körper aufgenommenen Nikotinmenge gleichzusetzen.
- Die chemische Summenformel von Nikotin lautet C₁₀H₁₄N₂.
Was ist Nikotin?
Nikotin ist eine organische chemische Verbindung aus der Gruppe der Alkaloide. Es kommt natürlicherweise vor allem in den Blättern der Tabakpflanze (Nicotiana tabacum) vor. Reines Nikotin ist eine farblose bis blassgelbe, ölige Flüssigkeit. Bei Kontakt mit Luft kann es sich mit der Zeit braun verfärben.1
In deutlich geringeren Konzentrationen lässt sich Nikotin auch in anderen Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse nachweisen.2
In der Tabakpflanze erfüllt Nikotin eine natürliche Funktion bei der Abwehr von Pflanzenfressern. Für Menschen ist die Substanz vor allem als Bestandteil von Tabak- und Nikotinprodukten bekannt.
Nikotin kann abhängig machen. Regelmäßiger Konsum kann zu Anpassungen im Nervensystem führen, wodurch unter anderem Abhängigkeit und Entzugserscheinungen entstehen können.3
Wie wirkt Nikotin im Körper?
Wie wirkt Nikotin? Nach der Aufnahme gelangt die Substanz in den Blutkreislauf und wird im Körper verteilt. Nikotin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und dadurch das zentrale Nervensystem erreichen.4
Welche Prozesse anschließend ablaufen, hängt mit der chemischen Ähnlichkeit von Nikotin zu Acetylcholin, einem körpereigenen Botenstoff, zusammen.
Wie wirkt Nikotin im Nervensystem?
Im Gehirn bindet Nikotin an sogenannte nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Diese Rezeptoren reagieren normalerweise auf den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin.
Durch die Bindung werden verschiedene Prozesse im Nervensystem beeinflusst. Dazu gehört die Ausschüttung verschiedener Neurotransmitter, darunter Dopamin und Noradrenalin.
Bei regelmäßigem Nikotinkonsum kann sich das Nervensystem an die wiederholte Einwirkung anpassen. Diese Veränderungen spielen eine Rolle bei der Entstehung einer Nikotinabhängigkeit.
Was macht Nikotin mit dem Körper?
Was macht Nikotin mit dem Körper? Nikotin wirkt nicht ausschließlich im Gehirn. Über das autonome Nervensystem kann es verschiedene körperliche Prozesse beeinflussen.
Zu den möglichen kurzfristigen Reaktionen gehören beispielsweise Veränderungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks.5 Welche Reaktionen auftreten und wie ausgeprägt sie sind, kann unter anderem von der aufgenommenen Nikotinmenge, dem Aufnahmeweg und individuellen Faktoren abhängen.
Weitere Informationen zu möglichen körperlichen Reaktionen findest du in unserem Artikel über Nikotin-Nebenwirkungen.
Nikotingehalt und Aufnahme
Der Nikotingehalt beschreibt die Menge an Nikotin, die in einem Produkt enthalten ist. Je nach Produkt kann die Angabe beispielsweise pro Gramm, pro Portion oder als Gesamtmenge erfolgen. Deshalb lassen sich unterschiedliche Angaben nicht immer direkt miteinander vergleichen.
Der angegebene Nikotingehalt sagt außerdem nicht automatisch aus, welche Nikotinmenge tatsächlich in den Blutkreislauf gelangt. Die Aufnahme hängt unter anderem von der Konsumform und den Eigenschaften des jeweiligen Produkts ab.
Nikotin kann auf unterschiedlichen Wegen aufgenommen werden. Beim Inhalieren gelangt es über die Lunge in den Blutkreislauf. Bei oral verwendeten Produkten wie Nikotinbeuteln kann Nikotin dagegen über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Bei Nikotinpflastern erfolgt die Aufnahme über die Haut.
Nach der Aufnahme wird Nikotin hauptsächlich in der Leber abgebaut. Einer der wichtigsten dabei entstehenden Metaboliten ist Cotinin.4 Wie lange Nikotin und seine Abbauprodukte nachweisbar sein können, erklären wir ausführlicher im Artikel “Wie lange bleibt Nikotin im Körper?”
Chemische Eigenschaften von Nikotin
Nikotin lässt sich nicht nur anhand seiner Wirkung betrachten. Seine chemische Struktur hilft auch dabei zu verstehen, warum sich das Molekül im Körper auf bestimmte Weise verhält.
Struktur und Aufbau von Nikotin
Die chemische Summenformel von Nikotin lautet C₁₀H₁₄N₂. Das Molekül besteht damit aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff und gehört zur Stoffgruppe der Alkaloide.
Die Struktur von Nikotin umfasst zwei stickstoffhaltige Ringsysteme: einen Pyridinring und einen Pyrrolidinring. Die räumliche Anordnung der Atome ist ebenfalls relevant. Natürlich vorkommendes Nikotin liegt überwiegend in einer bestimmten räumlichen Form vor, dem sogenannten (S)-Nikotin. Wenn synthetisches Nikotin im Labor hergestellt wird, liegt es zu 50 % als (S)-Nikotin und zu 50 % als (R)-Nikotin vor. Moderne Herstellungsverfahren ermöglichen jedoch auch die Produktion von gereinigtem (S)-Nikotin.6
Warum ist die Struktur von Nikotin relevant?
Die chemische Struktur bestimmt verschiedene Eigenschaften eines Moleküls und beeinflusst damit auch, wie es sich im Körper verhält.
Obwohl (S)- und (R)-Nikotin aus denselben Atomen bestehen, können ihre unterschiedlichen räumlichen Strukturen beeinflussen, wie sie vom Körper aufgenommen werden und mit Nikotinrezeptoren interagieren.7 Damit liefert die Strukturformel nicht nur eine Beschreibung des Moleküls, sondern hilft auch dabei, die Aufnahme und Wirkungsweise von Nikotin chemisch einzuordnen.
Die Geschichte des Nikotins
Die Geschichte des Nikotins ist eng mit der Geschichte der Tabakpflanze verbunden. Indigene Bevölkerungsgruppen Amerikas nutzten Tabak bereits lange vor seiner Verbreitung in Europa.8
Nach den europäischen Reisen nach Amerika gelangte Tabak ab dem späten 15. und im 16. Jahrhundert nach Europa. Eine wichtige Rolle bei seiner Verbreitung in Frankreich spielte der französische Diplomat Jean Nicot de Villemain. Sein Name wurde später für die botanische Gattung Nicotiana verwendet, von der sich wiederum die Bezeichnung Nikotin ableitet.
Die chemische Erforschung folgte deutlich später. 1828 isolierten Wilhelm Heinrich Posselt und Karl Ludwig Reimann Nikotin aus Tabakblättern. Damit konnte die Substanz unabhängig von der Tabakpflanze genauer untersucht werden.
Fazit: Was ist Nikotin und wie wirkt es?
Nikotin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid, das insbesondere in der Tabakpflanze enthalten ist. Im Körper bindet es an nikotinische Acetylcholinrezeptoren und beeinflusst dadurch Prozesse im Körper. Wie Nikotin wirkt, hängt dabei nicht allein vom Nikotingehalt eines Produkts ab, sondern unter anderem auch von der aufgenommenen Menge und dem Aufnahmeweg.
FAQ zu Nikotin
Was ist Nikotin genau?
Nikotin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid, das vor allem in der Tabakpflanze enthalten ist. Es wirkt auf bestimmte Rezeptoren des Nervensystems und kann abhängig machen.
Was macht Nikotin im Körper?
Nikotin bindet an nikotinische Acetylcholinrezeptoren und beeinflusst dadurch verschiedene Prozesse im Nervensystem. Es kann außerdem körperliche Reaktionen wie Veränderungen von Herzfrequenz und Blutdruck hervorrufen.
Wie wirkt Nikotin im Gehirn?
Nikotin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und im Gehirn an nikotinische Acetylcholinrezeptoren binden. Dadurch wird die Aktivität verschiedener Nervenzellen und Neurotransmittersysteme beeinflusst.
Wie wird Nikotin im Körper aufgenommen?
Der Aufnahmeweg hängt von der Konsumform ab. Nikotin kann beispielsweise über die Lunge, die Mundschleimhaut oder die Haut in den Körper gelangen.
Was bedeutet Nikotingehalt?
Der Nikotingehalt gibt an, wie viel Nikotin ein Produkt enthält. Die angegebene Menge entspricht jedoch nicht automatisch der Nikotinmenge, die tatsächlich vom Körper aufgenommen wird.
Referenzen
- National Center for Biotechnology Information (NCBI). Nicotine (compound). PubChem
- Siegmund B, Leitner E, Pfannhauser W. Determination of the Nicotine Content of Various Edible Nightshades (Solanaceae) and Their Products and Estimation of the Associated Dietary Nicotine Intake. PubMed
- Benowitz NL. Nicotine Addiction. PubMed Central
- Benowitz NL, Hukkanen J, Jacob P III. Nicotine Chemistry, Metabolism, Kinetics and Biomarkers. PubMed Central
- Haass M, Kübler W. Nicotine and sympathetic neurotransmission. Cardiovascular Drugs and Therapy. PubMed
- Jordt, S. Synthetic nicotine has arrived. PubMed
- Keller-Kamilton, B. et.al. Evaluating the Role of Nicotine Stereoisomer on Nicotine Pouch Abuse Liability: A Randomized Crossover Trial. PubMed
- Charlton A. Medicinal uses of tobacco in history. PubMed Central