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Das Thema Nikotinabusus symbolosiert durch die chemische Dartstellung von Nikotin

Auf einen Blick

  • Nikotinabusus wird als Begriff für einen problematischen oder schädlichen Nikotinkonsum verwendet.
  • Schädlicher Gebrauch und eine diagnostizierte Abhängigkeit sind medizinisch nicht dasselbe.
  • Starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranz und Entzug können Merkmale einer Abhängigkeit sein.
  • Eine bestimmte Anzahl an Zigaretten oder anderen Nikotinprodukten stellt keine feste Grenze für eine Abhängigkeit dar.
  • Bei der Diagnose werden das Konsumverhalten und mögliche Abhängigkeitsmerkmale berücksichtigt.

Was ist Nikotinabusus?

Der Begriff Nikotinabusus wird häufig für einen problematischen oder schädlichen Nikotinkonsum verwendet. Die medizinische Klassifikation unterscheidet jedoch genauer zwischen schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit.

Die aktuelle ICD-10-GM des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt unter F17 „Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak“ schädlichen Gebrauch (.1) und Abhängigkeitssyndrom (.2) getrennt auf. Schädlicher Gebrauch bezeichnet einen Konsum, der zu einer körperlichen oder psychischen Gesundheitsschädigung führt. Ein Abhängigkeitssyndrom wird dagegen anhand verschiedener körperlicher, kognitiver und verhaltensbezogener Merkmale beschrieben.1 

Nikotin kann beispielsweise über Zigaretten, E-Zigaretten, Snus oder tabakfreie Nikotinbeutel aufgenommen werden. Regelmäßiger Konsum allein bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine diagnostizierte Abhängigkeit vorliegt.

 

Lies auch unseren Artikel über das "Imageproblem von Nikotin". 

Nikotinabusus: Symptome, Anzeichen und Entzug

Bei einer Abhängigkeit können laut ICD-10-GM verschiedene Merkmale gemeinsam auftreten:

  • starkes Verlangen nach der Substanz
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
  • fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen
  • zunehmender Vorrang des Konsums gegenüber anderen Aktivitäten und Verpflichtungen
  • Toleranzentwicklung
  • teilweise ein körperliches Entzugssyndrom

Nicht jedes einzelne Merkmal bedeutet für sich genommen, dass eine Abhängigkeit vorliegt.

Wird die Nikotinzufuhr bei bestehender Abhängigkeit reduziert oder beendet, können Entzugssymptome auftreten. Die Cleveland Clinic nennt unter anderem starkes Verlangen nach Nikotin, Reizbarkeit, Schlafprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten.2

Der zeitliche Verlauf lässt sich ebenfalls eingrenzen: Ein Review von McLaughlin, Dani und De Biasi beschreibt, dass Entzugssymptome nach längerfristigem Nikotinkonsum bereits 4 bis 24 Stunden nach dem Absetzen beginnen können. Ihren Höhepunkt erreichen sie etwa am dritten Tag und klingen anschließend im Verlauf von etwa 3 bis 4 Wochen wieder ab.3

Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel über Nikotinentzug und seine Symptome.

Nikotinabusus: Ab wie viel Zigaretten?

Eine feste Anzahl an Zigaretten, ab der Nikotinabusus oder eine Nikotinabhängigkeit vorliegt, gibt es nicht. Die täglich konsumierte Menge kann zwar Informationen über das Konsumverhalten liefern, reicht allein aber nicht zur Beurteilung einer Abhängigkeit aus.

Das gilt auch für andere Nikotinprodukte. Nikotinkonzentration, Konsummuster und Art der Aufnahme können sich unterscheiden. Eine bestimmte Anzahl an Nikotinbeuteln oder E-Zigaretten-Nutzungen lässt sich daher ebenfalls nicht als allgemeine Grenze für eine Abhängigkeit festlegen.

Nikotinabusus: Diagnose

Bei der Diagnose wird nicht nur betrachtet, wie viel, sondern auch wie konsumiert wird. Dabei können das Konsummuster sowie die zuvor beschriebenen Merkmale einer Abhängigkeit berücksichtigt werden.

Die deutsche S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“ empfiehlt, Patient:innen nach ihrem Konsum von Tabak, E-Zigaretten und verwandten Produkten zu fragen und diesen zu dokumentieren. Zur weiterführenden Einschätzung der Stärke einer Zigarettenabhängigkeit empfiehlt sie den Fagerström-Test für Zigarettenabhängigkeit (FTZA).4

Bei E-Zigaretten und verwandten Produkten ist die Evidenz in dieser Leitlinie eingeschränkter: Ihre Einbeziehung in die Screening-Empfehlung beruht auf klinischem Konsens, da die zugrunde liegende Recherche hierfür keine Studien ergab.

Nikotinkonsum reduzieren oder beenden

Wer seinen Nikotinkonsum reduzieren oder beenden beziehungsweise mit dem Rauchen aufhören möchte, kann professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

Für die Tabakentwöhnung nennt die S3-Leitlinie unter anderem:

  • Kurzberatung
  • qualitätsgesicherte telefonische Beratung
  • internetbasierte Selbsthilfeprogramme
  • mobile Selbsthilfeprogramme
  • verhaltenstherapeutische Einzel- oder Gruppenangebote

Diese Beratungs- und Unterstützungsformen werden in der Leitlinie mit unterschiedlichen Empfehlungsgraden aufgeführt. Die Leitlinie empfiehlt außerdem verhaltenstherapeutische Einzel- und Gruppeninterventionen zur Erreichung der Tabakabstinenz.

Nikotinbeutel sind von einer medizinischen Rauchentwöhnung zu unterscheiden. Sie sind tabakfreie, rauchfreie Nikotinprodukte für erwachsene Nikotinkonsument:innen, aber keine zugelassenen Arzneimittel zur Rauchentwöhnung.

Fazit: Nikotinabusus erkennen und einordnen

Nikotinabusus und eine diagnostizierte Nikotinabhängigkeit sollten nicht gleichgesetzt werden. Entscheidend für die Beurteilung einer möglichen Abhängigkeit ist nicht allein die konsumierte Menge, sondern das gesamte Konsumverhalten. Wer Schwierigkeiten hat, seinen Nikotinkonsum zu kontrollieren, zu reduzieren oder zu beenden, kann professionelle Unterstützung nutzen.

FAQ

Kann man auch von Nikotinbeuteln abhängig werden?

Nikotin kann eine Abhängigkeit verursachen. Da Nikotinbeutel Nikotin enthalten, kann grundsätzlich auch bei ihrer Verwendung eine Nikotinabhängigkeit entstehen.

Wie schnell kann eine Nikotinabhängigkeit entstehen?

Eine allgemeingültige Zeitspanne lässt sich mit den hier verwendeten Quellen nicht angeben. Ob eine Abhängigkeit vorliegt, wird nicht allein anhand der Dauer oder Menge des Konsums beurteilt.

An wen kann ich mich bei Nikotinabhängigkeit wenden?

Ärzt:innen und qualifizierte Beratungsstellen können den Konsum beurteilen und über Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Für die Tabakentwöhnung empfiehlt die S3-Leitlinie unter anderem Kurzberatung und qualitätsgesicherte telefonische Beratung.

Quellen

  1. CD-10-GM Version 2026. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. 
  2. Nicotine Withdrawal. Cleveland Clinic. 
  3. Nicotine withdrawal. McLaughlin I, Dani JA, De Biasi M.
  4. S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) 
Autorin Eva Brunner
Eva Brunner

Content Managerin

Eva Brunner ist Content Managerin DACH bei der Haypp Group und verfasst fundierte und zugängliche Texte über rauchfreie Nikotinprodukte. Sie greift auf langjährige Erfahrung in Marketing und Kommunikation und eine wissenschaftliche Promotion zurück.

Autorin - Lindsay Reese
Geprüft von
Lindsay Reese, Senior Scientific Content Managerin