Deutschland hinkt im Kampf gegen das Rauchen hinterher
Die jährlichen Berichte über den Weg der Länder zu einer rauchfreien Gesellschaft sind da. Sie zeigen, dass Deutschland weder Klassenbester noch Schlusslicht ist. Doch die Zahlen geben Anlass zur Sorge. Es geht zu langsam.
Auf einen Blick
- Deutschland reduziert das Rauchen, jedoch nicht schnell genug, um das EU‑Ziel einer tabakfreien Generation bis 2040 zu erreichen.
- Die Entwicklung ähnelt Großbritannien: stabiler Rückgang, aber nicht ausreichend, um unter fünf Prozent tägliche Raucher zu kommen.
- Länder wie Schweden und Norwegen erzielen bessere Ergebnisse durch wirtschaftliche Anreize und den Einsatz alternativer Nikotinprodukte wie Snus und weißem Snus.
- Ohne politische Kursänderung läuft Deutschland Gefahr, die langfristigen gesundheitspolitischen Ziele zu verfehlen und lediglich auf EU‑Durchschnittsniveau zu bleiben.
Wie entwickelt sich Deutschland im EU-Vergleich?
Die Berichte Fighting smoking with alternative nicotine products und The race towards a smoke-free society zeigen, dass das Rauchen in Deutschland im Laufe der Zeit zurückgegangen ist, jedoch langsamer als in den Ländern, die sich am schnellsten einer Rauchfreiheit nähern. Gleichzeitig entwickelt sich Deutschland stabiler als mehrere andere große europäische Länder, was das Land im Gesamtvergleich nahe am EU‑Durchschnitt positioniert.
Ähnlichkeiten mit Großbritannien
Ähnlich wie Großbritannien hat Deutschland seit Langem ehrgeizige Ziele zur Reduzierung des Rauchens, kombiniert mit umfangreichen Regulierungen. Das Ergebnis ist ebenfalls vergleichbar: ein allmählicher Rückgang, jedoch nicht in dem Tempo, das erforderlich wäre, um in absehbarer Zeit Rauchfreiheit – also weniger als fünf Prozent tägliche Raucher – zu erreichen.
Der Unterschied besteht darin, dass Großbritannien große interne Unterschiede zwischen England, Schottland, Wales und Nordirland aufweist, während die Entwicklung in Deutschland national gleichmäßiger verteilt ist. Dies macht Deutschland in der Statistik berechenbarer – aber nicht unbedingt erfolgreicher.
Deutliches EU‑Muster in Deutschland
Die Entwicklung in Deutschland spiegelt weitgehend das breitere EU‑Muster wider. Das EU‑Ziel ist es, bis 2040 eine tabakfreie Generation zu erreichen. Doch der Rückgang des Rauchens erfolgt in vielen Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, in einem Tempo, das nicht ausreicht, um das Ziel rechtzeitig zu erreichen. Deutschland wird voraussichtlich erst 2043 rauchfrei sein.
„Die EU hat ein klares Ziel gesetzt, doch die tatsächliche Entwicklung zeigt eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Ergebnis“, sagt der Berichtautor David Sundén, Doktor der Wirtschaftswissenschaften.
„Im Vergleich zu Ländern wie Schweden wird deutlich, dass die in großen Teilen der EU dominierenden Steuerungsinstrumente, einschließlich Deutschlands, nicht ausreichen, um Rauchfreiheit in angemessener Zeit zu erreichen. Die Entwicklung Schwedens beruht nicht auf mehr Verboten, sondern auf einer Kombination aus wirtschaftlichen Steuerungsmaßnahmen und funktionierenden Alternativen zu Zigaretten.“
Für Deutschland bedeutet der Vergleich ein deutliches Signal. Das Land ist nicht das schlechteste in Europa, treibt die Entwicklung aber auch nicht voran. Schweden und Norwegen liegen vorne, während Bulgarien und Rumänien Schlusslichter sind. Derzeit bewegt sich Deutschland im gleichen Tempo wie der EU‑Durchschnitt – und riskiert damit, die langfristigen Gesundheitsziele zu verfehlen, wenn keine Kursänderung erfolgt.
„Wenn Gesundheitsziele mehr sein sollen als bloße Ambitionen, muss die Politik von dem ausgehen, was das Rauchen tatsächlich reduziert. Der Vergleich zeigt, dass Länder, die traditionelle Steuerungsinstrumente mit funktionierenden Alternativen wie Snus, weißem Snus und anderen Nikotinalternativen kombinieren, bessere Ergebnisse erzielt haben“, sagt Markus Lindblad, Kommunikationschef bei Haypp, dem Herausgeber des Berichts.